Harte Kerle mit viel Humor

Zürichsee-Zeitung Mittwoch, 24. Juni 2009

Originelle Vereine am Zürichsee Die Armsportgruppe Team Bonsai in Ricken

 

Privat dicke Kumpels, im Training erbitterte Gegner: Fredi Brunner (links) und Claudio Biderbost, zwei Urgesteine der Armsportgruppe Ricken. (Kurt Heuberger)

Sie quälen sich, und sie lachen zusammen: die Armdrücker vom Ricken.
Andreas Schürer

 


Das Trainingslokal, ein Schuppen in Ricken auf Gemeindegebiet Ernetschwil, ist abgelegen. Kein Mensch weit und breit, und das ist auch gut so: «So können wir bedenkenlos lärmen», sagt Claudio Biderbost, Präsident der Armsportgruppe Ricken. Und er kündigt vor dem Training an diesem Sonntag an: «Das gibt heute wieder ein furchterregendes Geschrei bis um 22 Uhr.» Auch die Musik können die Armdrücker aufdrehen. Schon bald liegt der Duft von Schweiss und Magnesium in der Luft, angereichert mit den Gerüchen
der Abwasserleitung, die genau unter dem Gebäude durchführt, das die Gemeinde Ernetschwil für 100 Franken im Monat zur Verfügung stellt. Doch das stört die Jungs nicht. Voll motiviert und gut gelaunt sind sie bei der Sache. An Stehtischen messen sie sich im Armdrücken. Hanteln ermöglichen individuelles Krafttraining. An der Wand hängen Bilder von Armdrück-Wettkämpfen, Bodybuildern und nackten Frauen. Auf einem Regal steht Kraftnahrung: vor allem diverse Protein-Konzentrate, die den Muskelaufbau fördern.

 

Brutale Aufnahmeprüfung
Der Kern des Vereins sind sechs langjährige Mitglieder, sechs Kumpels, dazu trainieren zwei Aspiranten mit, die noch eine Aufnahmeprüfung zu bestehen haben – «eine harte, noch geheime Geschichte», schmunzelt Präsident Biderbost. Dem Vernehmen nach soll es sich um eine Mischung aus brutalen Kraftübungen, Spanferkelessen und Schnapstrinken handeln. Über die zwei aktuellen Aspiranten aus dem Toggenburg findet Biderbost aber bereits jetzt nur lobende Worte: «Die meisten kommen nur einmal ins Training, weil ihnen danach alles weh tut. Aber die zwei können einstecken – das sind zwei Typen, die man nicht an jeder Strassenecke findet.» Auch das Gesellige ist Biderbost wichtig. «Wir sind im Training und an Wettkämpfen so häufig zusammen, dass die Chemie stimmen muss.» Es sei schön, dass sie jetzt schon länger eine sehr gute Stimmung hätten – «das Zusammensitzen und Fachsimpeln nach dem Training im nahe gelegenen Restaurant ist denn auch nicht nur Pflicht, sondern vor allem Vergnügen.»



Kampf gegen Vorurteile
Ein hartes Duell liefert sich Biderbost im heutigen Training mit Fredi Brunner, der auch zum Gründungsteam des Vereins gehört. Die zwei stehen sich gegenüber, die linken Hände an einem Griff, den sie nicht loslassen dürfen, die rechten ineinander verkeilt, die Schultern parallel zum Tisch. Dann heisst es «Ready, go!». Sich bewegen und den Körper einsetzen ist erlaubt, eine Schulter muss aber immer mindestens auf Tischhöhe sein. Brunner gewinnt. Und nach einer Verschnaufspause sagt er: «Ein Vorurteil ist, dass Armdrücker dumme Kraftprotze sind. Das ist aber überhaupt nicht so – viel entscheidender als Kraft sind Technik und Schnelligkeit.» Erbarmungslos wird weiter trainiert, bis 22 Uhr. Schliesslich haben die Armdrücker vom Ricken hohe Ziele. In seiner Gewichtskategorie will Fredi Brunner (zirka 80 Kilogramm) zum Beispiel Schweizer Meister werden. Sogar Weltmeister werden wollen im September in Italien Claudio Biderbost (zirka 100 Kilogramm) und Christoph Ladu, der in Zürich wohnt und in Ricken trainiert. In der Kategorie «110 Kilogramm plus» hat der 137-Kilogramm-Athlet gute Chancen auf eine Medaille. Das Schöne an seinem Sport findet er: «Mich fasziniert das Zusammenspiel von Kraft, Technik und Geschwindigkeit. Und es gefällt mir, dass jeder seines Glückes Schmiedist – man ist nur von sich selbst abhängig.»


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